Schauspieler Fredrik Jan Hofmann,
 © Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Judas

Ein Ein-Mann-Theaterstück

Donnerstag, 11. April 2019
Beginn: 19 Uhr, ca. eine Stunde, ohne Pause
Auferstehungskirche Wiener Neustadt
Eintritt: Freie Spende
Link zum Eintrag beim Schauspielhaus Graz

Zum Stück:

Die Entstehung einer Religion gleicht einer Revolution: eine Massenbewegung, die aus einer konkreten historischen Situation heraus den Zustand der Welt zum Besseren verändern will. Und einer, der wissen muss, wie das alles ganz am Anfang des Christentums war, ist Judas. Die flämische Autorin Lot Vekemans bietet in ihrem Monolog der Ikone des Verrats ein Plenum und macht einen dramaturgisch wichtigen Nebencharakter zum Hauptdarsteller. Fast zwei Jahrtausende nach seiner Tat präsentiert sich Judas als Theaterfigur, lässt uns teilhaben an den Geschehnissen. Der Text ist Augenzeugenbericht, Verteidigungsrede, Image- Kampagne und Eingeständnis von demjenigen, der „schwärzer wurde als schwarz“, weil alle anderen die Schuld am Tod des Messias auf ihn abladen konnten, unter dem Motto: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

Judas erzählt die Geschichte aus seiner Sicht.

Er spricht über seine Wut, seine Enttäuschung und seine Sehnsüchte, ohne die Verantwortung für sein Handeln zu leugnen. Ist es der Versuch eines Schuldbekenntnisses oder eher einer Rechtfertigung? War er ein Werkzeug oder ein Opfer des Schicksals? Was waren die Gründe, die hinter seinem Tun standen? Wie wäre die einfluss- und folgenreichste Geschichte des christlichen Abendlandes weitergegangen, wenn er Jesus nicht verraten hätte?

Matthäus 26 und 27 in Auszügen:

Danach ging einer der Zwölf – es war Judas Iskariot – zu den führenden Priestern. Er fragte: »Was gebt ihr mir dafür, dass ich euch Jesus in die Hände liefere?« Sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte Judas nach einer günstigen Gelegenheit, um ihnen Jesus in die Hände zu liefern. …

Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Garten, der Getsemani hieß. Dort sagte er zu seinen Jüngern: »Bleibt hier sitzen. Ich gehe dort hinüber und bete.« Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit. Plötzlich wurde er sehr traurig und Schrecken überfiel ihn. Da sagte er zu ihnen: »Ich bin ganz verzweifelt. Am liebsten wäre ich tot. Wartet hier und wacht mit mir.« Jesus selbst ging noch ein paar Schritte weiter. Dort warf er sich zu Boden und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Becher auszutrinken! Aber nicht wie ich will, soll es geschehen, sondern wie du willst!« Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Könnt ihr nicht diese eine Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist zu schwach.« Dann ging er ein zweites Mal einige Schritte weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders möglich ist, trinke ich diesen Becher. Es soll geschehen, was du willst.« Als er zurückkam, sah er, dass seine Jünger wieder eingeschlafen waren, die Augen waren ihnen zugefallen. Jesus ließ sie schlafen. Wieder ging er weg und betete ein drittes Mal mit den gleichen Worten wie vorher. Dann ging er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: »Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Seht doch: Die Stunde ist da! Jetzt wird der Menschensohn ausgeliefert an Menschen, die voller Schuld sind. Steht auf, wir wollen gehen. Seht doch, der mich verrät, ist schon da!«

Noch während er das sagte, sieh doch: Judas, einer der Zwölf, näherte sich ihm. Mit ihm kam eine große Truppe, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet war. Die führenden Priester und Ratsältesten hatten sie geschickt. Der Verräter hatte mit den Männern ein Erkennungszeichen ausgemacht: »Wem ich einen Kuss gebe, der ist es. Nehmt ihn fest!« Judas ging sofort auf Jesus zu. Er sagte: »Sei gegrüßt, Rabbi!« Dann gab er ihm einen Kuss. Doch Jesus sagte zu ihm: »Mein Freund, dazu bist du gekommen?« Da traten die Männer heran, packten Jesus und nahmen ihn fest. …

Als Judas erfuhr, dass Jesus zum Tod verurteilt wurde, packte ihn die Reue – denn er hatte Jesus verraten. Er brachte die dreißig Silberstücke zu den führenden Priestern und Ratsältesten zurück und sagte: »Ich habe große Schuld auf mich geladen. Ein Unschuldiger wird getötet und ich habe ihn verraten!« Sie antworteten: »Was geht uns das an? Das ist deine Sache!« Da warf Judas die Silberstücke in den Tempel, lief weg und erhängte sich.